Solo (O-Ton)…

…ist jenseits des Umstandes, dass er auf so ziemlich allen Ebenen komplett unnötig ist, der spaßigste, abenteuerlustigste „Star Wars“-Film seit den 80ern. Ehrenreichs Han besitzt zwar nicht im Ansatz den spröden Charme eines „Ich find den Film sehr albern, aber ich brauche das Geld“-Harrison Fords und wird sowohl von Woody Harrelsons Gaunerlehrer als auch von Donald Glovers grenzgenial smoothem Lando an die Wand gespielt, dafür geht es durchgehend flott, munter und kurzweilig zu, ohne dankenswerterweise in die Marvelsche Witzelsucht zu verfallen.
Es gibt wesentlich bessere Gründe, ein Kino aufzusuchen. Ich bin schon sehr positiv überrascht, dass „Solo“ nicht zu den schlechteren gehört.

D.C.L.

Deadpool 2 (O-Ton)…

…vermeidet nicht ganz die Fehler, die Fortsetzungen üblicherweise machen, wenn sie glauben, dass höher, schneller, lauter immer gleich besser sein muss. So schleichen sich gerade im Direktvergleich zum überraschend guten Vorgänger bisweilen Längen ein, die auch das lauteste Krawumm und die x-te Metaebene nicht mehr kaschieren können. Ändert zum Glück nichts daran, dass diese Ryan Reynolds-Spielwiese auch weiterhin lustiger, garstiger und herzlicher ist, als viele Schwestern und Brüder im Geiste.

D.C.L.

Zwei im falschen Film…

…beginnt als seicht vor sich hinplätschernde, vorhersehbare Geschichte um ein Paar, welches es sich zu sehr in der eigenen Gemütlichkeit eingerichtet hat, um dann irgendwann unerwartet und abrupt Fahrt aufzunehmen und sich auf allen erdenklichen Ebenen um Klassen zu steigern, so dass der Film unter‘m Strich als beste Beziehungskomödie, die ich die letzten Jahre sehen durfte, rauskommt, die nicht nur glänzend gespielt ist, sondern derart mühelos zwischen Schwer und Leicht hin und herswitcht, dass sie so überhaupt gar nicht mehr die vielgescholtenen deutschen Untugenden beim Filmemachen bedient. Ich war somit ebenso freudig überrascht wie meine Begleitung, welche unabhängig von mir zur exakt selben Einschätzung bezüglich Anfang, Entwicklung und Ende dieses Werkes kam.
Ob meine Theorie, Laura Lackmann hätte diese Steigerung bewusst so gewählt, weil sie von Beginn an beim Erzählen auch auf die Metaebene setzt und einfach zeigen wollte, wie deutsches Kino normalerweise ausschaut und wie viel besser sie es kann, ob also ebendiese meine Theorie so stimmt, vermag ich nicht einzuschätzen. In jedem Fall ist „Zwei im falschen Film“ ein echtes Highlight meines bisherigen Kinojahres, und das hätte ich die ersten zwanzig Minuten niemals gedacht.

D.C.L.

Lady Bird (O-Ton)…

…ist eine brillant geschriebene, gespielte, geschnittene, musikuntermalte Geschichte über Abschiede von Kindheit, Schule, Elternhaus und erste Male und Neuanfänge, die oftmals nicht so laufen, wie geplant. Es ist ungemein befriedigend zu sehen, wie genau Greta Gerwig ihre Figuren zu zeichnen weiß, wie sie es versteht, die Heiterkeit in der Tragik und die Bitterkeit des Komischen herauszuarbeiten und von einem durch die komplette Bank weg fantastischem Ensemble mit Leben füllen zu lassen, ohne dass dabei auch nur ein Moment, ein Satz, ein Blick zu viel oder zu wenig wäre. Und bei aller großen, großen, grooooßen Verehrung vor Allison Janneys Rabenmama in „I, Tonya“: in der Kategorie „beste Filmmutter 2017″ gewinnt Laurie Metcalf für mich um Längen nach Nuancen.
Es gab in der letzten Zeit Filme, in denen ich mehr zu lachen hatte und solche, in denen ich häufiger und stärker weinen durfte. Habe aber schon sehr lange nicht mehr bei einem Film so oft laut gelacht und oftmals direkt im Anschluss Tränen in den Augen gehabt. Großartiger kleiner Film.

D.C.L.

Early Man (O-Ton)…

…ist ein von Nick Park gewohnt entwaffnend charmant gekneteter klassischer Underdog-Sportfilm (!) im Gewand einer Urzeit-Parodie, sehr witzig (auf deutsch laut verlässlicher Quellen wohl genauso wie in der wunderbaren englischen Version, die ich sehen durfte), sehr herzlich, sehr britisch. Ein typischer Aardman eben.

D.C.L.