Valerien…

…ist immer da, wo er sich voll und ganz die Prämisse „Dezenz ist Schwäche“ zu eigen macht, wo er größenwahnsinnig, hanebüchen und bunt wird, ein fast schon manisches Fest für die Augen. Wenn er jetzt noch eine halbe Stunde kürzer wäre und seine beiden Hauptfiguren Spielenden anvertraut hätte, deren Chemie miteinander wenigstens sporadisch messbar ist, spielte er locker in der gleichen Liga wie „The Fifth Element“.

D.C.L.

Spiderman Homecoming (O-Ton)…

…muss sich eher ins Mittelmaß der MCU-Rangliste einordnen, weil die Klischees unter‘m Strich doch zahlreicher vorhanden sind als ihre nicht selten sehr komischen Parodien, hat aber mit Tom Holland einen Hauptdarsteller vorzuweisen, dessen entwaffnender Charme und seine überbordende Energie über so manche Länge zumindest unmittelbar während der Sichtung hinwegzutäuschen wissen. Auch darf Michael Keaton in den Szenen, in denen er nicht sträflich unterfordert wird, ein paar echte Höhepunkte setzen. Ein Film, der lange in einem drinnen bleibt, ist er freilich nicht.

D.C.L.

Einmal bitte alles…

…besitzt als deutsche Coming of Age-Tragikkomödie oft genug ein Gespür für das rechte Timing, das eine Szene entweder sehr komisch, sehr böse oder sehr melancholisch anmuten lässt und ist dabei von allen Beteiligten so gut gespielt, dass die Momente, in denen nach typisch deutscher Manier Sätze erkennbar als Plotvorantreiber und weniger als Laute geschrieben wurden, die echten Menschen organisch aus dem Mund fallen könnten, wo (leider) nicht komplett zu vergessen, so doch zu verschmerzen sind.

D.C.L.

Shimmer Lake (O-Ton)…

…erzählt in „Memento“-Gedächtnis-Manier beginnend mit dem Ende, endend mit dem Anfang eine kleine, blutrünstige Geschichte über verpatzte Bankraube und Rachegedanken in einer verschnarchten US-Kleinstadt und bedient sich dabei munter und versiert diverser Versatzstücke der ganz Großen, ohne das Oren Uziels Regiedebut dabei freilich die ureigene Handschrift verliert, welche gelungene Erstlingswerke für mich immer wieder zu einem unperfekten, aber frischen und schlanken Vergnügen macht.
Und Rainn Wilson ist die übliche Naturgewalt.

D.C.L.

Monatsrant Juni 2017: Jurassic World (O-Ton)…

…ist wahlweise die beste Satire auf seelenlose Granatenscheiße oder die seelenloseste Granatenscheiße, die ich im noch jungen Jahrtausend das Missvergnügen zu sehen hatte. Dass er visuell wie narrativ zu wirklich jeder Millisekunde komplett unglaubwürdig, dabei nie auch nur in Ansätzen spannend und seltenst komisch ist, ist noch irgendwie zu verschmerzen. Dass ich mir zunehmend wünschte, die Person, die für diese spuckhässlichen Farbfilterbilder verantwortlich war, würde einem T-Rex-Angriff zum Opfer fallen, muss ich mit meinem Gewissen ausmachen. Dass die Beziehung der weiblichen und der männlichen Hauptfigur stramm aus einem wieder aufgetauchten Drehbuch aus den Fünfzigern zu stammen scheint, wobei ich dahingehend schon den latent progressiveren Werken jener Zeit großes Unrecht tue – geschenkt. Dass Bryce Dallas Howard, die in ihrem Erstling „The Village“ noch so toll war, komplett sediert durch den Film stakst und Chris Pratt mittlerweile meint, es würde reichen, Chris Pratt zu sein und dabei gefilmt zu werden – SPOILER nein SPOILER ENDE – ist traurig, aber noch irgendwie verschmerzbar. Dass der Beginn wirkt wie eine nicht sehr involvierende Power-Point-Präsentation zum Thema „Corporate Greed“, nur um diesen dann in gefühlt acht Stunden – eine arschlangweiliger als die andere – voll abzufeiern: ja mei, was erwarte ich auch, dass ein Film die Ideale, die zu propagieren er eingangs nicht müde wird, dann auch selbst lebt. Dass die „Handlung“ (haha) hinten wie vorne Logiklöcher aufweist, dass es der Sau graust, kulminierend im „romantischen“ (haha) Ende, bei welchem SPOILER die beiden Hauptfiguren Arm in Arm das riiiiiiesige Lazarett von Verwundeten, Sterbenden und Trauernden verlassen, ohne dass draußen eine Instanz nur darauf wartet, die Dame, die quasi im Alleingang für all diese Scheiße verantwortlich ist, in Gewahrsam zu nehmen und wenigstens so lange ins Gefängnis zu stecken, bis die nächsten zwei unvermeidlichen Fortsetzungen abgewickelt wurden: das ist halt das moderne Kino, dass sich einen feuchten Kehricht um die alte „that happend, and because of that…“-Regel schert und nur noch „and then, and then, and then“ „beherrscht“, ganz gleich, was für ein hanebüchener Kehricht dabei herauskommt.

Dass aber diese Scheiße zum Quadrat von einem ganzen Haufen Vollidioten auf diesem Planeten gesehen wurde, die entgegen aller „Mach’s bloß nicht!“-Mundpropaganda wie die Lemminge in diesen Film rannten, und diese zu Haufen dann den gleichzeitig laufenden, in allen beschissenen Belangen besseren, weil genialen „Mad Max Fury Road“ nicht sahen, weshalb wir die nächsten Jahrzehnte mit diesem selten dummen Dinoquark zugeschissen werden, während Miller, selbst wenn er wollte, wohl keine Fortsetzung mehr in diesem wunderbar größenwahnsinnigen Ausmaß machen dürfte, das ist fast so deprimierend wie die Tatsache, dass ich mir nach Sichtung von „Jurassic World“ geschworen habe, nie wieder einen Film von diesem talentbefreiten Spinner, genannt Trevorrow, zu sehen, weswegen die „Episode IX“ wohl der allererste Star Wars-Film sein wird, den ich mir im Kino schenken werde.

D.C.L.



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