Western (2017)…

…ist ein so klassischer Vertreter des gleichnamigen Genres, wie ein Film über deutsche Bauarbeiter im bulgarischen Niemandsland nur sein kann. Valeska Grisebach bedient sich virtuos verschiedenster altbekannter Cowboy-Motive, um immer wieder kurz vor dem Klischee kehrt zu machen und eine berührende Geschichte von Verständigung und ihren Problemen zu erzählen und dabei so durchgehend authentisch und aufrichtig zu sein, dass ein geradezu immersives Erlebnis entsteht, nach dessen immerhin zweistündigem Genuss ich aufrichtig traurig war, nie wieder mehr von diesen Menschen – die meisten davon von Laien gegeben – und ihrer durch und durch glaubhaften Welt sehen zu dürfen.
Es hilft freilich, dass sie mit Meinhard Neumann einen Hauptdarsteller hat, dessen faszinierende Persönlichkeit vom Leben und nicht von Schauspielschulkursen geformt wurde, dem aus purer Naivität heraus Sätze gelingen, für die gestandene Schauspieler töten würden und welcher der Kamera immer wieder Blicke schenkt, die sich tief in die Netzhaut und ins Herz brennen.
Toller, toller Film.

D.C.L.

The Hitmans Bodyguard (O-Ton)…

…ist ein ultrabrutaler, hanebüchen schwachsinniger, bisweilen grenzwertig geschmackloser Oberschund, den der selbstverliebt-ach-so-intellektuelle Teil von mir nur zu gerne auf die innere Halde werfen würde, auf die er auf dem Papier in jedem Fall gehört.
Er hat nur leider mit Reynolds und Jackson ein sich in jeder beschissenen Hinsicht perfekt ergänzendes Comedy-Duo auf der Habenseite, das sich derart gut gelaunt und virtuos die teilweise peinlichen Dialoge um die Ohren wirft, dass ich ab dem Moment, an dem die beiden sich nach einer viiiiel zu grimmigen Exposition endlich begegnen, quasi eine gute Stunde lang durchlachen musste, ob ich nun wollte, oder nicht, und am nächsten Morgen noch über die (wenigen) auch objektiv gelungenen verbalen Schlagabtäusche kichere.
Wer in diesem Jahr nur einen wirklich dummen, wirklich unnötig garstigen, aber wirklich durchgehend unterhaltsamen, wirklich lustigen Megatrash schauen will: da bittesehr. Aber bittesehr im Original-Ton.

D.C.L.

Little Evil (O-Ton)…

…ist von der Grundprämisse her nicht ganz so clever wie Eli Craigs abendfüllender Erstling „Tucker and Dale vs. Evil“, worunter diese Horrorparodie auf allen Ebenen zu leiden hat. Die großartige Fallhöhe, die seinerzeit dadurch entstand, dass die monströsen kannibalistischen Hinterwäldler in Wahrheit zwei herzensgute Trottel waren, die nur durch absurde Zufälle und die reingesteigerte Panik der Jugendlichen einen nach dem anderen von ihnen versehentlich abmurksten, lässt sich schlicht nicht vollständig dadurch erreichen, dass man dem „Omen“-Kind einen überforderten neuen Schwiegervater gibt. Sympathisch ist das Ganze aber auch und vor allem durch eine mal wieder sehr einnehmende Performance von Adam Scott doch.

D.C.L.

Death Note (2017, O-Ton)…

…mag allen, denen die zugehörigen Mangas und Anime-Serien mehr als nur ein Begriff sind, irgendetwas geben, bei mir als komplett „Unbeflecktem“ überwog deutlichst der Ärger.
Dass die beiden Hauptfiguren von Minute 1 an als soziopathische Arschlöcher abgehakt werden können, die mir nicht einmal im ganzen Filmverlauf auch nur in Ansätzen auch nur nicht egal waren, wird noch ein wenig dadurch entschärft, dass Willem Dafoe so schön garstig seine Sätze aufsagen kann und der Antagonist (???) der beiden Helden (???), ein Profiler namens L, so schillernd verrückt von Lakeith Stanfield gegeben wird, dass ich ihn gerne als Protagonist in einem (wesentlich!) besseren Film gesehen hätte.
Unschöner ist da schon, dass der Film klar gesteckte „Regeln“ (sic!) aufstellt, nur um sie eine halbe Stunde später wieder ohne jede Erklärung in die Tonne zu kloppen und sich außerdem ums Verrecken nicht entscheiden kann, ob er denn nun ganz doll sozialkritische Groteske, nicht funktionierender Liebesfilm oder doch eine leidlich unterhaltsame Nacherzählung von „Final Destination“ sein will – leider entscheidet er sich nie vollständig für letzteres, weil „Death Note“ in diesen Momenten noch deutlich am Besten, bisweilen gar ganz gut funktioniert.
Und um den Elefanten im Raum auch noch benannt zu haben: ja, der Whitewashing-Kritikpunkt ist valide, aber auf narrativer Ebene ausnahmsweise mal nicht das Hauptproblem. Selbst Amerikaner mit asian heritage könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Geschichte so ganz klar und komplett in ihre DNA eingebrannt eine japanische ist, voll und ganz aus dieser Kultur geboren und nicht und schon gar nicht in guten anderthalb Stunden mal kurz auf „westlich“ umwurschdelbar, dass jeder Versuch in meinen Augen – und beweist mir doch erst mal das Gegenteil – zum Scheitern verurteilt sein musste, was dann zwangsläufig zu diesem unlogischen, unfreiwillig albernen Machwerk führte.

D.C.L.

Atomic Blonde…

…dürfte endgültig das Vehikel sein, welches Charlize Theron völlig zurecht als einen der größten Actionstars unserer Zeit adelt. Wie sie sich im Herzstück des Filmes, einem grob geschätzt zwanzigminütigen Treppenhauskampf ohne erkennbaren Schnitt, mit der aggressiven Wucht eines Jason Statham durchboxt, virtuos scheinbar zufällig herumliegende Gegenstände zu Hilfe nimmt und dabei durchgehend glaubwürdig austeilt und einsteckt, das ist so roh und unterhaltsam, dass es allein schon einen Kinobesuch wert ist. Szenen wie diese können freilich ebenso wenig wie der muntere NdW-Soundtrack und das schön replizierte Mauerfall-Flair darüber hinwegtäuschen, dass „Atomic Blonde“ mitnichten der stylish-coole Actionspaß mit Buddy-Movie-Einlagen ist, den der Trailer versprach, dafür ist der Spionageplot viiiel zu ausufernd und verwirrend, dafür ist der Film eine Idee zu sehr an Malickscher Körperkunst interessiert und dafür läuft das Ganze storytechnisch einmal zu oft von durchaus fröhlichen Einlagen in sehr finstere, grenzwertig brutale Gefilde, ohne dabei aber die nötige Erdung zu besitzen, die Klassiker wie „Die drei Tage des Kondors“ o.ä. erst zu solchen machten.

D.C.L.