Ferdinand…

…besitzt in seinen komischen Momenten eine zu schwach ausgeprägte Gagdichte und hat in seinen dramatischen jetzt nicht sooo immens viel Neues zu erzählen, aber für eine kurzweilige, sympathische Heldenreise für die ganze Familie reicht es allemal.

D.C.L.

Jumanji – Welcome to the Jungle (O-Ton)…

…liefert die erhoffte Ladung Zerstreuung, Unterhaltung und Albernheit zum schwierigen Jahresausklang, was zu guten Zweidritteln dem Ensemble zugeschrieben werden darf, welches die altbekannte Schauspielregel, wonach der Spaß im Publikum abnimmt, je mehr die Kunstschaffenden davon haben, mit Schmackes und Roundhousekick in die Tonne kloppt.
Über Jack Black wurde anderswo schon viel Lobendes geschrieben, und ja, ich musste immer wieder fast schon hilflos laut lachen, weil er ein unterschätzter Meister der physical comedy ist und dies natürlich ausgiebig nutzt, wenn er ein 17-jähriges Mädchen mit Smartphone-Sucht spielen darf. Beeindruckender ist da nur noch, mit welcher Wärme er diese Figur zeichnet und gerade immer dann, wenn andere Comedians zum Verhöhnen tendieren, den Menschen hinter der oberflächlichen Fassade durchscheinen lässt. Überhaupt war ich erstaunt, wie schnell ich die absurde Grundprämisse des Filmes schluckte und eben nicht mehr Gillan, Black, Hart und Johnson sah, sondern vier verängstigte, verwirrte Teenager, die sich erst nach und nach auf das Abenteuer einlassen und ein Team bilden, eine optische Täuschung, die nicht klappen würde, wenn sich die Herren und die Dame nur auf Pointen verlassen hätten, anstatt die Jugendlichen, denen sie ihre Körper leihen, ernst zu nehmen – gerade Kevin Hart spielt den selbstbewussten Quaterback, der es gar nicht fassen kann, plötzlich der kleine Sidekick des Helden zu sein, authentischer, als ihm viele Kritiken zugestehen.
Dabei ist der Film über weite Strecken so lustig, gelegentlich gar spannend und insgesamt so niedlich und herzlich, dass mir persönlich gewisse Ausrutscher im Ton und Löcher in der Logik nicht weiter schlimm auffielen.
Bestimmt nichts, was lange im Gedächtnis bleibt, aber als zweistündiges Eskapismus-Event jeden Cent wert.

D.C.L.

Star Wars Episode VIII: The Last Jedi (O-Ton)…

…ist ein cleverer, turbulenter Fantasy-Spaß, der dreist alte Brücken abbrennt, Nostalgie hinterfragt, Legenden demaskiert und somit für mich eine echte Wohltat nach all dem braven Abhaken altbekannter Bilder ist, welches JJ Abrams technisch versiert, aber ohne jeden Nachhall im letzten Film lieferte. Er ist dabei weiß Gott nicht ohne Macken – wie bei Rian Johnson üblich braucht er eine halbe Stunde, um sich einzugrooven, lustigerweise ist dies genau die Laufzeit, die der Film zu lang ist –, scheitert aber selbst in seinen schlechtesten Momenten noch derart ambitioniert und auf hohem Niveau, dass ich zum ersten Mal seit vielen Jahren einen „Star Wars“-Film auf Tage nach der Sichtung in mir herumtrage, im Gegensatz zum Achterbahn-Gefühl der letzten vier Teile, nach denen ich jeweils gut durchgeschüttelt war, am nächsten Tag das meiste aber auch schon wieder entfühlt hatte.
Dass Johnson dabei so gar keine Rücksicht auf die zarten Fan-Gefühle derer legte, die sich nunmehr beschweren, er hätte das Franchise zerstört, weil das sich ja gar nicht wie das zum x-ten Mal wiedergekäute „Star Wars“, das wir inzwischen alle beim Eintritt in den Kinosaal erwarten, anfühlte, ist tragisch, schlimm und furchtbar und würde mich vielleicht auch unironisch jucken, wenn besagte Fans mir nicht jahrelang kalt zugeraunt hätten, ich als Trekkie solle mich nicht so anstellen, bloß weil „Star Trek“ seit bald einem Jahrzehnt Wege geht, die so gar nichts mehr mit der Urvision gemein haben, und wenn nicht sowieso klar wäre, dass Großpapa JJ die Armen in zwei Jahren wieder an die Hand nehmen und ihnen bei heißem Tee aus der Stormtrooper-Tasse die altvertraute Mär von den guten Jedi und den bösen Sith erzählen wird, ganz ohne große, fiese Überraschungen, ganz ohne doppelte Ebene(n).
Bis dahin aber bleibt mein Fazit: Mitunter sperriger, aber sehr geiler Film.

D.C.L.

On the Beach at Night Alone (O-Ton)…

…ist eine Aneinanderreihung von One-Takes, in denen sich Kim Min-Hee („The Handmaiden“) in Hamburg und später Südkorea mit diversen Menschen über eine schwierige Liebesbeziehung zu einem Regisseur unterhält. Dass Sang-soo Hong mit seiner Hauptdarstellerin exakt das erlebte, was die beiden hier erzählen, worunter unter anderem seine Ehe in die Brüche ging, war mir während der Sichtung unbekannt und hätte bestimmt für mich nötige Klarheit in einen Film gebracht, der in seinen allerbesten Momenten spektakulär alltäglich ist, sich in meinen Augen* aber entschieden zu viel zu lange unfokussiert treiben lässt.

*die keine Ahnung haben, sonst hätte der Film nicht solche Begeisterungsstürme auf der Berlinale ausgelöst, Bären für Kim inklusive.

D.C.L.

Colossal (O-Ton)…

…müsste angesichts seiner Grundprämisse, wonach Anne Hathaway, wann immer sie auf einem bestimmten Spielplatz herumspaziert, zunächst un-, später sehr bewusst einen riesengroßen Monster-Avatar in Tokio steuert, eigentlich ein kolossaler Unfug sein.
Dass er im Kern nicht nur ein kompromissloses, blendend gespieltes Drama über Macht und dessen Missbrauch ist, sondern das auch noch organisch in oben genannte Handlung einzubinden weiß, wobei beide grundverschiedenen Genres sich eine Menge zu erzählen haben, ist ebenso überraschend wie hoch erfreulich.

D.C.L.