Archiv der Kategorie 'Action'

John Wick – Parabellum…

…zeigt erneut und einmal mehr, dass die Stärken dieses Franchises ums Verrecken nicht in Plot, Figurenzeichnung oder gar tiefergehenden Beobachtungen der Conditio Humana liegen, sondern darin, einem auch mit Mitte 50 noch blendend zum Schießtanz aufgelegten Kenau Reeves dabei zuzuschauen, wie er sich scheinbar mühelos durch die besten Action-Setpieces der Filmgeschichte ballert, sticht und schlägt. Mir zumindest ist diese ehrliche, handgemachte Kiste um Welten lieber als viele der leb- und lieblosen Artverwandten, die einem derzeit sonst so als Genrefilm-Angebot serviert werden.

D.C.L.

Detective Pikachu (O-Ton)…

…ist ein gelungener Buddy-Movie mit einem sehr sympathischen ungleichen Duo, an welchem auch jahrzehntelange Pokemon-Kostverächter ob der netten Film Noir-Parodie und einem hörbar gut aufgelegten Ryan Reynolds ihre Freude haben können.
Nicht mehr, nicht weniger.

D.C.L.

Avengers – Endgame (O-Ton)…

…ist auch im dritten Großfamilienfest-Anlauf nach „Infinity War“ und „Civil War“ nicht davor gefeit, eingedenk der überbordenden Flut an Charakteren im seit nunmehr zehn Jahren stetig wachsenden MCU ein Zuviel an Zuviel auf die geneigten Zusehenden loszulassen, was vor allem im unvermeidlichen CGI-Gewitter am Ende deutlich wird, wenn dann wieder Computermännchen gegen Computermännchen losziehen und es fast egal ist, wer nun wem auf die Rübe haut. Auf der anderen Seite ist der vorläufige Abschluss der „Avengers“-Geschichte sehr gut darin, die vielen Nebencharaktere als ebensolche zu behandeln und sein Hauptaugenmerk auf die wenigen Figuren zu lenken, welche ab 2009 die Grundsteine legten – allen voran ein mal wieder zur spielerischen Höchstform auflaufender Robert Downey Jr., der eine brillante Vorstellung gibt, als wolle er zeigen, dass ohne ihn dieses Franchise nie einen solchen Traumstart hingelegt hätte. Ja, wider Erwarten ist „Endgame“ vor allem in der sich viel Zeit lassenden Exposition auch immer wieder großes Schauspielerkino, wobei ich bewusst auf die weibliche Endung verzichte, denn die Vergangenheit des MCU ist, auch das zeigt dieser Film klar und deutlich, männerdominiert gewesen.
Inwieweit dieser Abschied von den alten Helden trifft, hängt natürlich ganz davon ab, inwiefern es die Charaktere geschafft haben, über die Jahre eine emotionale Anbindung zu installieren, denn, auch das sei klar gesagt: war es im Meisterwerk „Logan“ noch ein Bonus, dass ich Teile meiner Jugend mit diesen Figuren verbracht hatte, ist dies in diesem überlangen, bisweilen arg verworrenen Monstrum klar der höchste Kredit – wobei auch hier ein Lob dafür fällig ist, dass die Russo-Brüder natürlich noch einmal ein Schaulaufen von viiiielen alten Weggefährten auffahren, ohne dabei jedoch über Gebühr auf den Nostalgiefaktor zu setzen.
Ich für meinen Teil merkte, dass ich Tony Stark ebenso emotional verbunden bin wie den lustigen „Guardians“-Losern (Rocket ist tatsächlich die einzige CGI-Figur der Filmgeschichte (vielleicht noch nach Gollum), an der ich überhaupt gar nichts auszusetzen habe (was auch, aber nicht nur der großartigen Sprechleistung von Bradley Cooper zu verdanken ist)), dass ein paar andere meine Sympathie haben und wieder andere mir völlig am Arsch vorbeigehen. Das ist insofern interessant, weil „Endgame“ noch mehr und deutlicher als „Infinity War“ visuell die Vorgängerfilme zitiert und das ganze insofern mal besser, mal schlechter funktioniert, je nachdem, wie gut ebendiese Werke waren.

Fazit: Als für sich genommener Film ist „Endgame“ wie schon „Infinity War“ und mit Abstrichen auch „Civil War“ eine sehr überladene Angelegenheit, als Abschluss von zehn Jahren MCU aber durchaus gelungen. Ganz ehrlich: dass ich noch einmal in einem durchgetakteten Multimillionen-Dollar-Blockbuster sitze und am Ende mehr als eine aufrichtige Träne vergieße, das hielt ich zuletzt für eher unwahrscheinlich.

D.C.L.

Captain Marvel…

…ist bestimmt nicht das Originellste, was Marvel in den letzten Jahren zustande gebracht hat. Er ist nicht rund wie der „Winter Soldier“, frech wie „Ragnarok“ oder gar ein Game Changer wie „Black Panther“ – trotz der Tatsache, dass er der allererste MCU-Film mit titelgebender Heroine ist (nach zehn Jahren, seufz).
Muss er aber auch gar nicht sein, hat er doch einen blendend aufgelegten Cast, der mit ansteckender Heiterkeit die 90er unsicher macht – allen voran Samuel L. Jackson, der es so aufrichtig genießt, mit seinen 70 (!) Lenzen noch einmal ungeniert jung, cool und smooth zu sein wie damals in den Rollen, die ihn völlig zu Recht zum Superstar machten, dass ich irgendwann aus dem Grinsen nicht mehr rauskam. Seine digitale Verjüngungskur können nur Menschen durchgehend und ohne jeden Uncanny Valley-Effekt schlucken, die viel zu selten echte Menschen wirklich betrachten, aber gelegentlich funktioniert sie schweinegut und ist ab einem gewissen Punkt dann gekauft, abgehakt, eingetütet und tatsächlich vergessen – anders als bei Clark Greggs Agent Coulson, der aussieht, als hätte ihn jemand mit Wachs geht so gut nachmodeliert – was mich bei noch jedem seiner Auftritte komplett aus dem Film warf.
Brie Larson bildet in dieser ungewöhnlichen Buddy Movie-Paarung den perfekten Gegenpart zu Jackson und gemeinsam versprühen die beiden einen Witz und eine Chemie, der selbst die narrativ holprigsten Stellen mühelos umfährt.
Sehr gutartiger, heiterer, federleichter Superheldinnenfilm, nicht perfekt, aber sooo süffig.

D.C.L.

Aquaman (O-Ton)…

…ist ein mit satten zweieinhalb Stunden Laufzeit nicht vor etlichen Längen gefeiter Flickenteppich aus diversen Einzelgeschichtchen, die mal besser, mal deutlich schlechter funktionieren, je nachdem, wie und über wen sie erzählt werden. Selten wechselten sich bei mir partielle Begeisterung und Kopfschütteln so sehr und stetig ab. Visuell gibt es auf dem einen Ende des Spektrums die in Marvel-Filmen bereits zum Standard gehörenden, hier nun inflationär eingesetzten digitalen Gesichtsverjüngungskuren von Mitspielenden der Generation 50+, die so unecht, gruselig und scheiße aussehen (die Kuren, nicht die Mitspielenden!), dass es der Sau graust, was mich wiederholt aus dem Film warf. Andererseits gelingen James Wan dann auch so wunderbar morbid-romantische Bilder wie der Sprung vom kleinen Boot in die stürmische See in ein Meer von Monstern, welches anmutet, als hätten H.P. Lovecraft und Caspar David Friedrich gemeinsam Pilze gegessen und dann zusammen drauflosgemalt – wunderschön. Es gibt Nicole Kidman, bei der ich oft und gerne vergesse, was für eine fantastische Schauspielerin sie ist, und die mir erst zusammen mit Temuera Morrison, später alleine und mit wenigen Blicken und Sätzen so glaubwürdig eine Liebesgeschichte verkauft, dass sie mich zu Tränen rührt. Und es gibt Amber Heard, deren Beziehung zu Aquaman so nicht funkelt und bitzelt, dass dieser mit einer von Julie Andrews gesprochenen CGI-Riesentintenfischkrabbe noch eine spürbarere Chemie besitzt. Da sind Actionsequenzen in Sizilien und unter Wasser, die ganz großes Kino sind und zeitfressende Expositionsmonster, die das Ganze immer wieder in die Tiefe ziehen wollen.
Es gibt viel Licht und wahrscheinlich objektiv gesehen noch mehr Schatten in diesem Film. Unter‘m Strich überwiegt aber eine Erkenntnis: Jason Momoa ist so atemberaubend schön, charmant und gut gelaunt, dass jedes Mal, wenn er haarscharf an der Kamera vorbeigrient, die Endorphinausschüttung im gemeinen Zusehenden so hoch ist, dass es eigentlich und im Grunde vollkommen Wurscht ist, wie gelungen das Werk, in welchem er zu sehen ist, bei näherer Betrachtung eigentlich wäre.

D.C.L.