Archiv der Kategorie 'Kritik'

Pets 2…

…müsste für meinen Geschmack einfach nur die Formel des Vorgängerfilmes wiederholen, der mit Slapstick begann, Slapstick weiterführte, um dann mit Slapstick zu enden, und der erfreulicherweise so gar kein anderes Anliegen hatte, als (bisweilen gar blendend) zu unterhalten. Hier wird nun auf Deubel komm raus eine gar arg verschachtelte Geschichte erzählt, welche ihre bisweilen sehr finsteren Unterthemen so gar nicht gehandelt kriegt und die einen einfach gestrickten Menschen wie mich, welcher eigentlich nur Scherze auf dem Niveau des „Pets 1″-Pudels, welcher heimlich Metal hört, konsumieren wollte, nicht wenig enttäuschte.

D.C.L.

Murder Mystery (O-Ton)…

…ist ein mit der für Adam Sandler-Filme üblichen Faulheit entstandener „Whodunnit?“, wobei die Frage nach dem Mörder ebenso wenig das Adrenalin hochschaukelt wie die Auflösung befriedigt. Einzig und allein die sympathische Chemie zwischen Sandler und seiner Filmfrau Jennifer Aniston, die sich auch privat zu kennen und mögen scheinen, rettet „Murder Mystery“ haarscharf vor dem totalen Rohrkrepierer-Verdikt.

D.C.L.

Spiderman – Far From Home (O-Ton)…

…behandelt die Konsequenzen, die „Avengers Endgame“ auf seine Welt haben müsste, nur seeehr homöopathisch – wahrscheinlich, weil deren Implikationen, falls ernstgenommen, einen wesentlich düsteren Film hervorbringen würden – und begibt sich lieber wieder auf das vertraute Terrain der Highschool-Komödie mit allem, was dazugehört. Dass diese immer wieder vom obligatorischen CGI-Krawumm unterbrochen wird, stört mich viel weniger als noch bei „Homecoming“, weil der Umstand, dass die Schausplätze, bevor sie im Computer puttgemacht werden, zuvor allesamt in Echt gefilmt wurden, diesen eine gänzlich andere Haptik und Wichtigkeit verleiht als die letztlich nicht greifbaren Welten der letzten MCU-Filme, und auch das Spiel eines blutjungen Casts verbessert, der sich sichtlich freut, mit der Gondel durch Venedig zu cruisen und in Prag Karneval zu feiern – wie ich spätestens seit Tom Cruise vor dem Abgrund des Hochhauses in Dubai nicht müde werde zu erwähnen, gibt es Dinge, die man nicht spielen kann, wenn sie nicht da sind, sei es die kaum und doch so stark wahrnehmbare Reaktion des Körpers auf die echte Tiefe oder wie hier das innere kindliche Grinsen, in einer der ältesten, schönsten Städte der Welt zu sein – beides kann man irgendwie „herstellen“, der Effekt wird nie so glaubhaft sein.
Was die Effektorgien aber am Ende komplett legitimiert, sie gar zu einer reinen Freude werden lässt, ist die Metaebene, mit der sie im Film selbst besprochen werden – neben ein paar sehr komischen Spitzen gegen das eigene Mantra, immer wieder alles im großen CGI-Gewitter untergehen lassen zu müssen, hat diese Ebene aber auch noch erstaunlich viel Substantielles zu sagen. Ich hätte von diesem Film viel erwartet, aber ein derart klarer, gar cleverer Kommentar in Bezug auf Fake News, Alternative Facts und was diese aus uns machen ist so unerwartet wie erfreulich. Spätestens bei einem großartigen, auf so vielen Ebenen funktionierenden Cameo in der Midcredit-Sequenz macht „Spiderman – Far From Home“ keinen Hehl mehr daraus, gegen wen sich diese Kritik explizit richtet. Wer in den letzten Wochen auf YouTube mal ein wenig in Sachen Deepfake recherchiert hat, kann unschwer erkennen, dass wir dahingehend auf Zeiten zusteuern, die nicht lustig werden.
Würde alles aber natürlich nicht funktionieren, wäre dies nicht in der Hauptsache ein sehr komischer, sehr herzlicher Film über das Heranwachsen, getragen von einem durch und durch brillanten Tom Holland, unterstützt von einem extrem gut aufgelegten Ensemble.
Das MCU hat auch nach dem vorläufigen Abschluss seiner „Avengers“-Saga einen klar hörbaren Puls, gerade weil es nicht versucht, alles Dagewesene zu toppen, sondern einen Schritt zurückgeht und wieder liebevoll und genau Figuren aufbaut – ein Erfolgsrezept, welches ihm vor zehn Jahren schon einmal einen gigantischen, anhaltenden Erfolg bescherte.
Dass es mit den Themen, die es nebenbei erzählen möchte, immer mutiger wird (siehe auch „Black Panther“ und seinen in die DNA eingravierten Kommentar in Sachen Kolonialismus), freut mich dabei sehr.

D.C.L.

What You Leave Behind (O-Ton)…

…ist von der allerersten bis zur letzten Sekunde an ein einziger langer, bisweilen auch erfreulich kritischer filmischer Liebesbrief an „Star Trek Deep Space Nine“, der allen, welche die Serie nicht oder nur sporadisch kennen, überhaupt gar nichts geben wird, einen Fan wie mich aber anderthalb Stunden durch den Nerdhimmel fliegen ließ und mir ein Kinoerlebnis bescherte, von dem ich Wochen danach noch zehre.

D.C.L.

High Life (O-Ton)…

…ist ein bei aller in sich ruhenden Erzählweise immer wieder atemberaubender Sci-Fi-Trip durch das Menschsein und darüber hinaus. Dabei ist er in allen Grundzügen seiner Handlung derart unnachgiebig sowie gnaden- und erbarmungslos, dass ich eigentlich versucht sein müsste, ihn in die kürzlich von mir kreierte Kategorie „alte Filmschaffende dekonstruieren Film, Plot und dessen Sinn“ zu stecken. Damit täte ich aber Claire Denis und ihrem paradoxerweise wunderschönen Meisterwerk großes Unrecht. Wo die Altherren Lynch, Coen, Jarmusch u.a. zuletzt immer wieder die persönliche und globale Apokalypse herbei beschworen und währenddessen selten tieferes mitzugeben hatten als einen mal mehr, mal deutlich weniger unterhaltsamen Nihilismus, hört die Altdame Denis auch dann nicht auf, die großen Fragen der Existenz zu stellen, wenn diese im Angesichts des unermeidlichen Nichts scheinbar keine Daseinsberechtigung mehr haben. Selten habe ich eine derartige Diskrepanz zwischen Handlung und Inszenierung gesehen – und sie so wenig wahrgenommen, gespürt. Trotz aller Garstigkeiten, scheinbaren Unmenschlichkeiten, die hier gezeigt und serviert werden, bleibt der Grundton des Filmes immer gelassen, liebevoll. Dabei setzt er voll und ganz auf ein phantastisch aufspielendes Ensemble zuungunsten von größeren Effekten – wobei die paar Weltraumaufnahmen, die dann gezeigt werden, eine mal beklemmende, mal befreiende, immer große Kraft besitzen. So ist der mit Abstand größte Effekt, bei dem ich mich heute noch frage, wie sie das so überzeugend hinbekamen, die Beziehung von Robert Pattinson zu seiner Filmtochter im Kleinkindalter. Wenn dieses innere Band zwischen beiden nicht so komplett glaubhaft rüberkäme, „High Life“ würde über weite Strecken große Schwierigkeiten haben.
Großartiges Kammerspiel, welches die Scheußlichkeiten der Spezies Mensch nicht eine Sekunde ausklammert, ebenso wenig wie die Sinnlosigkeiten des Daseins angesichts seiner Vergänglichkeit, welches sich aber letzten Endes doch als große Liebeserklärung auf beide herausstellt. So unwahrscheinlich das klingt.

D.C.L.